Marie Antoinette

Sonntag 26.04.09, 18:00 Uhr

Theater Bremen

 

 Die Besetzung:

Margrid Arnaud                        Sabrina Weckerlin

Marie Antoinette                       Maricel

Giuseppe Balsamo                     Ethan Freeman

Graf Axel von Fersen                Patrick Stanke

Louis XVI                                Tim Reichwein

Herzog von Orléans                   Thomas Christ

Agnés Duchamps                       Maike Switzer

 

Rose Bertin                               Sarah Schütz

Léonard                                               Oliver Heim

Charles Boehmer                       Fernand Delosch

Madame Juliette Lapin               Susanna Panzner           

Dr. Joseph Ignace Guillotin        Daniele Nonnis

Kardinal de Rohan-Guémémé     Hans Neblung

Maximilien de Robespierre         Markus Maria Düllmanm

Madame Lamballe                     Susanna Panzner

 

In weiteren Rollen: Udo Eickelmann, Sonja Tièschki, Martin Bacher, Oliver Nöldner, Gerd Achilles, Patrick Schenk, Ulrich Talle, Mona Graw, Anika Lehmann, Patrizia Margagliotta, Julia Steingaß, Petra Weidenbach, Norbert Kohler, Stefan Reil, Fredrik Anderson, Marion Furtner, Lisette Groot, Marc Liebisch, Stefan Reil, Katie Schauer, Petra Weidenbach

Dirigent: Tjaard Kirsch

Showbericht von Conni Klocke

Marie Antoinette – der Name war schon ein sehr großes Versprechen. Wenn man begeisterter Fan von tiefgreifenden Musicals mit großem Inhalt ist, war man in letzter Zeit von den neuen Musicals nicht wirklich angetan bzw. überzeugt. Aber Gott sei Dank sind alle Geschmäcker verschieden.

Ich fuhr also mit recht großen Erwartungen nach Bremen. Ein Musical mal nicht von der Stage sondern von einer freien Bühne… und dann auch noch solch eine Besetzung. Klar hatte ich mich im Voraus schon schlau gemacht im Internet über die Besetzung. Und auch hier war ich voller Erwartungen.

Die Musik begann und PENG! Auf der Bühne kauerte Ethan Freeman ganz in schwarz gekleidet und fing an zu singen. Und wie er anfing zu singen. Wer Ethan kennt, weiß was er kann und das hat er gezeigt. Die Rolle des Balsamo scheint für ihn wie geschaffen. Er spielt mit dem Publikum und dem Ensemble, er genießt es, den Magier zu spielen und zu singen und ist so sehr in seinem Element. Der Spaß kam richtig rüber.

Und dann kam Sabrina! Was soll ich sagen – Sabrina spielt nicht die Margrid, sie ist es. Sie leidet, sie hungert, sie ist traurig, verzweifelt, wütend, kraftvoll und zum Schluss voller Mitleid mit Marie Antoinette.

Sabrina, mit Verlaub gesagt, ist für mich die deutsche Nachfolgerin von Pia Douwes. Ohne Zweifel. Sie singt, dass einem schier die Luft wegbleibt und spielt wahnsinnig gut.

Ihre erste Begegnung mit Marie Antoinette, von Maricel gespielt, verläuft für diese Epoche völlig klassisch. Sie das arme Bettelmädchen und Marie die überhebliche und die das Schöne liebende Regentin, die nur ihr Vergnügen im Kopf hat. Maricel hat diese Rolle sehr gut ausgefüllt und hat eine sehr schöne Stimme.

Für mich ist es immer wieder lustig, wenn ich Musicaldarsteller, die ich aus anderen Musicals kenne, dann in einer anderen Rolle auf der Bühne stehen. So ging es mir mit Sabrina, die ich zuletzt als Elphaba in Wicked gesehen habe und auch bei Patrick Stanke, den jeder als D’Artagnan aus den Musketieren kennt.

Auch zu Patrick kann ich nicht mehr sagen, als dass er wirklich ein ganz Großer ist und ich mich gefreut habe, ihn wieder zu sehen. Wobei ich bei ihm das Gefühl hatte, dass er sich in der Rolle nicht so wirklich wohl gefühlt hat. Kann natürlich aber auch daran liegen, dass ich ihn im Kopf noch hatte als Musketier, das dem armen Knolli auf den Rücken hüpft :o)

Viele kennen Tim Reichwein noch als Herbert, dem schwulen Sohn des Grafen von Krolock, den er in Hamburg gespielt hat. Ich erinnere mich noch daran, wie er am Tag der Dernière im Bademantel an der Stagedoor stand mit Rotznäschen und klappernd vor Kälte… und jetzt ist er auf einmal der König von Frankreich. Er sah so lustig aus in seinem Kostüm und wie er geschminkt war!! Eine ganz lustige Perücke mit Löckchen über den Ohren, ganz weiß geschminkt und kleine rote Kreise auf den Wangen – naja, er sah eigentlich völlig zum Schießen aus. Aber der Louis XVI war ja auch eine Witzfigur und so war es der Rolle auch vollkommen angemessen. Timmi hat sehr schön gesungen.

Thomas Christ kannte ich bis dato noch nicht. Aber er hat sehr gut gesungen und die Rolle gut gespielt. Etwas hinterlistig und immer zu seinem Vorteil bedacht, hat er intrigiert und mit dem Wind geblasen.

Auch Maike Switzer als heilige Schwester war genial. Eine sehr sehr schöne Stimme, die im Duett mit Sabrina so herrlich harmonierte.

Bei diesem Musical fand ich auch schön, dass die Gesangsbeilagen relativ ausgeglichen waren. Jeder hatte mindestens ein sehr schönes Solo, teilweise wurde im Duett gesungen. Wenn dann alle zusammen gesungen haben, bekam ich eine Gänsehaut am ganzen Körper und hatte Not, regelmäßig weiter zu atmen. So viele tolle SängerInnen zusammen auf einer Bühne und dann noch zusammen singend  - WOW!!

Ich bin bekennende Taschentuchverbraucherin, wenn die Musik mich erreicht und die Show gut ist. Und die Musik hat mich so was von erreicht, unglaublich! Ich frag mich dann jedesmal, warum ich mich vorher überhaupt schminke ;o) Na egal. Das ist es auf jeden Fall wert.

Der erste Akt war ein Feuerwerk der Gefühle, der Gesänge und der Akteure. Ich glaube, ich wiederhole mich, aber es war wirklich fantastisch. Ich bin wirklich schwer begeistert von den Darstellern. Und zwar von allen. Nicht nur die Hauptdarsteller waren toll. Auch das übrige Ensemble war erstklassig und das Bühnenbild zwar mit wenig Schnickschnack, aber sehr wirkungsvoll und immer den Szenen entsprechend harmonisch abgestimmt.

Die Pause kam und wir fanden uns ein am Stehtisch in der Nähe des Verkaufsshops. Wir tranken gemütlich unser Glas Wein und ich drehte mich um in Richtung Shop und traute meinen Augen nicht. Da stand Patrick Stanke in voller Montur hinter dem Verkaufstresen und gab Autogramme. Na, da sind wir natürlich gleich hingestürmt und haben uns die CD’s (eine vom Musical und eine von ihm) signieren lassen. Ein Foto durften wir dann auch noch zusammen mit ihm machen. Er ist echt ein Riese. Ich bin mit 1,74 schon nicht klein und wenn ich hohe Schuhe anhabe, kann ich so manchem Darsteller leicht auf den Scheitel gucken. Aber bei Patrick kam ich nicht mal bis ans Ohrläppchen…. *grins*

Dann ging es weiter mit dem zweiten Akt. Jetzt waren sozusagen alle Figuren bekannt, die schöne Zeit der Marie und ihrer Familie war vorbei und nun ging es um die Politik und die Unruhen zu Beginn der französischen Revolution.

Das Ende des Stückes ist sehr tragisch, aber das war die Geschichte von Marie Antoinette ja auch. Ich möchte über den Inhalt des Musicals nicht so viel berichten, um die Spannung für die, die es noch sehen werden, nicht ganz zu nehmen. Es war ein unglaubliches Ereignis für mich, meine Schwester und meine Mutter und wir werden es sicher in unserer Favoritenliste ziemlich weit oben ansiedeln.

Man kann die Federführung von Michael Kunde und Sylvester Levay sehr gut erkennen. Sie sind halt zwei erfahrene Hasen was das Musicalgeschäft angeht und sie haben meiner Meinung nach voll ins Schwarze getroffen. Endlich mal wieder ein Musical mit Tiefgang und geschichtlichem Hintergrund. Manchmal konnte man kleine Ähnlichkeiten erkennen zu Elisabeth oder Les Misérables. Aber das gibt schon der Stoff der Geschichte her. Von der Melodie und den Texten war es komplett neu.

Ich bin halt bekennender Fan von tragischen Musicals wie Les Misérables, das Phantom der Oper, Tanz der Vampire, Elisabeth und so weiter. Und ich bin voll auf meinen Geschmack gekommen. Marie Antoinette ist 100 %ig ein Musical mit Suchtfaktor!

Bleibt für mich die Hoffnung, dass Stage Entertainment das Musical aufgreift. Ich rate allen Fans, die wie ich schwere Musicals lieben, noch zu versuchen, nach Bremen zu fahren. Bis zum 31.05.09 wird dort am Theater Bremen noch gespielt. Anschließend, so habe ich der Presse entnommen, geht Marie auf Tournee.  Und so teuer wie die Karten bei der Stage ist es in Bremen nicht.

Als nächstes steht nun ein Open-Air-Konzert auf dem Programm mit Felix Martin, Ethan Freeman, Annemieke van Dam und Anna Milva Gomes. Da freu ich mich ganz besonders drauf, denn das habe ich im letzten Jahr schon genossen und war hin und weg. Wenn meine Zeit es erlaubt, bekommt meine liebe Freundin Ingrid dann wieder einen ausführlichen Bericht.

Ich hoffe, mein Bericht hat ein wenig die Neugierde bei euch geweckt und ich kann den einen oder anderen begeistern, dorthin zu fahren und sich das Musical anzusehen. Ich finde immer, dass kleinere Theater, die den Mut haben, eine so große und teure Inszenierung auf die Beine zu stellen, unterstützt werden müssen. Also „hin mit euch allen“!

 Ganz liebe Grüße aus Braunschweig sendet euch eure Conni

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